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Dienstag, 2. Juni 2015

Lazy Sunday on Monday

„Leider müssen wir die Veranstaltung wetterbedingt auf morgen Montag, den 01.06.2015, verschieben.“ So lautet das Posting auf Facebook, welches die Gäste des „Lazy Sunday“ am letzten Sonntag im Mai erreichte. Es waren mögliche Gewitter und Regenfälle für den Raum Graz angekündigt, weswegen das Open Air für diesen Tag abgesagt und auf den nächsten verschoben werden musste.

Das bot jedoch keine Minderung des Publikums. Bereits eine Stunde vor offiziellem Start am Montag um 18 Uhr, hatten sich bereits zahlreiche Leute eingefunden und besetzten Bänke, Tische und Wiese.
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Um 18 Uhr war es mittlerweile schon wirklich schwer, noch einen Platz in der Wiese zu finden. Aufgrund der rund 3600 Zusagen, die diese Veranstaltung bei Facebook erzielte, konnte man erahnen, was sich auf der Fläche vor dem Parkhouse, dem Veranstaltungsort und zeitgleich Veranstalter, abspielen würde. Kaum ein Fleck war nicht besetzt und auf den Wegen durch den Stadtpark, hatten sich ebenfalls massenweise Personen auf den Bänken und Wiesen niedergelassen.
Leider war aufgrund einer Wetterwarnung mit Hagel der Start erneut ungewiss. Um 19:30 wurde dann die Entscheidung getroffen und die Worte „Besser spielen wir bis zum Hagel, als dass wir gar nicht spielen. Lasst uns den Leuten eine Show bieten, die sie nicht so schnell vergessen werden!“ fielen.


Karma Klub
Karma Klub
Karma Klub betraten als erste die Bühne und die Menge war gespannt. Die 4 Jungs rockten sich bei einem österreichweiten Bandcontest bereits in das Steiermarkfinale, welches sie gewannen und infolge dessen ein Open Air in der Arena Wien spielten. Mit ihren 60ies Dance Beat brachten sie auch ohne weiteres das Parkhouse und die Umgebung zum Tanzen. Mit dabei war auch ihre Single „Private Prophecy“, welche bei einem lokalen Radiosender auf und ab gespielt wird und den Gästen offensichtlich bereits bekannt war. Lautstark sangen sie mit, wenn sie nicht gerade mit tanzen beschäftigt waren.

Zur selben Zeit zogen nördlich und südlich des Stadtparks Unwetter mit Hagel vorbei. Jedoch schafften es nur ein paar vereinzelte Tropfen in den Stadtpark und passend zum Auftritt des zweiten und letzten Acts, Snap DazeD, wurde der Himmel wolkenlos.

Dass Snap DazeD nicht ohne Grund die Headliner waren, wurde bereits bei ihrer ersten Nummer „Willcome“ bewiesen. Mit Krach und Saxophon legten sie los und boten von Anfang an eine ausgezeichnete Show. Ihr Poprock/Folk/Reggae Mix versprühte eine Energie, welche auch das Publikum sofort spürte, so dass sich dieses von dem Tanzfieber und der Feierlaune der Band sofort anstecken ließ. Platz vor der Bühne suchte man bei dieser Band vergebens, denn zwischen den ganzen feiernden Menschen gab es nur noch wenig bis keinen freien Raum. Mit Liedern wie „Intergalactic Space“ und „Knocking on your Butt“, welche auf ihrer CD „Lacunas Love Loud“ erschienen sind, spielten sie auch ein paar ihrer - fast schon – Klassiker, die auch den letzten auf der Wiese zum Tanzen und Singen bewegte. „Lovetalk“ war wohl der Ohrwurm des Abends, welcher allen in Erinnerung bleiben wird, denn er vermittelt das, wofür die Band steht: „Love, Love, Love…“

Snap Dazed
Snap DazeD
 
 Der Abend wurde tontechnisch optimal von Martin Klement supportet, welcher in seiner Tätigkeit als Tontechniker für Livebands bereits jahrelange Erfahrung gesammelt hat und auch den Bands bereits bekannt war. Für das Booking verantwortlich war Peter Lessing, der selbst als Sänger bei Millions of Dreads tätig ist. Ein Lob an die ganzen Mitarbeiter, die diesen Abend unterstützten.

Der „Lazy Sunday“ am Montagabend wird vielen Leuten noch lange positiv in Erinnerung bleiben.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Die Musik, der Lendwirbel und ich. (Lendwirbel 2015 als Zuhörer)

Es ist alle Jahre dasselbe, kaum kommt der Sommer, beginnt die schöne Zeit der Straßenmusiker. Es spielt beinahe keine Rolle, in welcher Stadt man sich befindet, überall trifft man auf Musiker, welche für ihr Brotgeld spielen.

Mich zieht es im Sommer deswegen immer wieder durch die Innenstadt von Graz. Im Vergleich zu anderen Städten ist sie doch relativ klein, bietet allerdings dadurch die Möglichkeit, einfach mal durch die Stadt zu schlendern und sich den visuellen und auditiven Eindrücken aus der Umwelt hinzugeben. Ob man sich entlang der Herrengasse, oder auch in die Querstraßen wie die Hans-Sachs-Gasse oder die Sporgasse abbiegt, überall bekommt verschiedene Musik geboten.

Deswegen freut es mich auch immer wieder, wenn es am Lend wirbelt, also der Lendwirbel stattfindet.

Begonnen am Griesplatz, entlang der gesamten Griesgasse und seinen Querwegen, bis hin zum Lendplatz sieht man nicht nur verschiedenste Interpreten, welche ihr musikalisches Können zu besten geben, sondern auch individuelle Künstler, die unterschiedlichste Formen von Kunst präsentieren.

Mich bewegte es aus zeittechnischen Gründen leider erst ab Freitagabend durch den Lendwirbel. Zur Aftershowparty des Freitags erreichte ich noch rechtzeitig das Wakuum in der Griesgasse. Hier zeigten Snap Dazed, Coy und A Walk in a Park, weswegen sie als - eigentlich - Headliner des Festivals im Club den Freitag beendeten. Alles tanzte und bebte. Man traf auf verschiedenste Leute. Von Heavy Metal Fans, über Rocker bis hin zu Hippies alles. Schon früh zeigte sich, was der Lendwirbel für Graz und die Menschen bedeutet: Ein gemeinsames miteinander ohne Ausgrenzung.


Nachdem es mich am Freitag bis hin zum Samstagmorgen in den Clubs und Bars hielt, da einfach überall entlang des Lend eine unglaubliche Stimmung herrschte, machte ich mich am Samstag gegen frühen Nachmittag auf zum Lend.

Ein kurzer Regenschauer sorgte dafür, dass die Open Air Bühne des Griesplatzes, mit einer zeitlichen Verschiebung, an das andere Ende des Lends in das Lendhaus verlegt wurde. Wie sich später herausstellen sollte, leider zum Nachteil der Bands, da manche Besucher von außerhalb den Ort leider nicht angefunden haben.

So machte ich das, was ich im Sommer eben so liebe: Ich schlenderte durch den Lend und gönnte mir eine extra Portion Musik.



Kevin Etheridge
Den Anfang machte für Kevin Etheridge, welcher die letzten Monate mit einem VW Bus durch Australien reiste und nun mit selbigen eine Reise durch Europa gestartet hat. Man kann in seinen Liedern hören, was er auf seinen Reisen erlebte und fühlte. Schließt man die Augen, sieht man vor sich einen Strand, das Meer und ein Lagerfeuer, an welchem er seine Lieder spielt und die Leute, die dazu tanzen. Sollte man ihn irgendwo begegnen, kann auch jederzeit von seinen atemberaubenden Geschichten gelauscht werden. Aufgeschlossen, so wie das insgeheime Motto des Lendwirbel.


 



Weiter ging es danach mit der bezaubernd emotionalen, unaussprechlichen Andtheelderflowerfaintedbecauseofthetonic (Ja, das gehört zusammengeschrieben). Man verlor sich schnell in ihrer Stimme und ihren unglaublichen tief gehenden Liedern. Sie hatte, obwohl sie stets gesessen ist, eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Ihre Blicke und ihre Stimme wirkten, als würde sie jedes Lied mit vollen Emotionen singen. Mit Gefühlen, die sich irgendwo tief im Herz und der Seele versteckt hielten.


Andtheelderflowerfaintedbecauseofthetonic

Zu Auflockerung folgte dann Erwin R., der Veranstalter der Konzertreihe "Dialekt schmeckt", bei welcher immer wieder Interpreten und Bands auftreten, welche ihre Lieder im Dialekt schreiben und darbieten. So auch Erwin R., der diesmal mit Band aufgetreten war. Seine Lieder sind vorsichtig kritisch und unterhaltsam. Ein Reggae zum chillen, mit poppigen Einschnitt der Lust auf Leb'n macht.

Vento Sul auf dem Weg durch den Lend
Unterbrochen wurde dieser von Vento Sul. Vento Sul ist ein Gruppe aus Percussions die quer durch den Lendwirbel zogen. Zuvor kamen sie bereits zufällig bei dem Auftritt von Kevin Etheridge vorbei, als sie unterwegs zu ihrem Startort am Lendplatz waren, und legten dort einen spontanen Jam mit ihm ein. Bei Erwin R. passte es genau, dass sie zwischen seinen Liedern mit ihren Rhythmusgruppen und tanzfreudigen Anhängern vorbeigezogen sind, von denen sich ein paar noch länger bei dem Auftritt von Erwin R. aufhielten.


 

Danach zog es mich zum Lendhaus, wo die Mighty Maggots gerade zu spielen begonnen hatten. Feinster Ska Punk aus dem grazer Raum. Es waren um die 40 Leute bei ihrem Auftritt und es wären bestimmt noch mehr gewesen, wenn die Location nicht 30 Minuten vor Beginn verlegt werden hätte müssen. Mit ihrem Brass in der Kombination mit Punk Rock sind sie in Graz wohl beinahe Einzelgänger, da es nur wenige Bands mit einem solchen Stil gibt. (Im Vergleich zu Metalbands)

 

Darauf folgten im Lendhaus Stroppy Kitten, welche trotz eines kurzfristigen Ausfalls ihrer Bassistin die Halle aufmischten. Feinster KatzenPunkRock von ein paar Kätzchen, die ihre Krallen ausfahren und einen brachial genialen Sound ablieferten. Ich vermisste schon lange eine Band, die noch richtig geil klassischen Punk Rock macht und doch originel wirkt, ohne einen Einfluss durch Computer oder aufwändigen Instrumenten zu haben. 2x Gitarre, 1x Drums und 1x Bass (welcher, wie erwähnt, leider ausfiel). Mehr braucht man nicht um überzeugen zu können. Auch wenn es nach dem fetten 3 Akkorden Ramones Punk Rock wirkt, sind Stroppy Kitten offensichtlich gute MusikerInnen, was bestimmt niemand leugnen würde, der sich die Band bereits angesehen hat. Sie punkten nicht nur mit Musik, sondern auch mit unglaublicher Sympathie.


Sympathisch war auch der letzte Act, welchen ich im Lendhaus bewunderte. Betty Poison. Extra für diesen Auftritt aus Berlin angereist. Schnell merkte man, was diese Band auszeichnete. Sinnlichkeit oder Sensibilität sind wohl die besten Wörter, um diese Band zu beschreiben. Eine große Portion an Emotionen gemischt mit einem wunderbar derben Sound sorgt für eine atemberaubende Harmonie. Es war nicht nur eine akustische Besonderheit, sondern war es auch Gold für die Augen. Das Zusammenspiel zwischen ihrem Auftreten, den Liedern und der Location war einfach unbeschreiblich.


Betty Poison

Auf meinem Weg zur Aftershowparty des Samstags im Wakuum, kehrte ich bei einem Imbissstand am Lend ein und traf dort auf eine zweiköpfige Band, von welcher ich den Namen leider nicht erfahren habe. //Falls ihn wer weiß, gebt mir bitte Bescheid// Ich will nicht viel zu ihnen sagen, aber wenn ein Lucha Libre Gitarre spielt, weiß man, dass da etwas abgeht.
Lucha Libre Metal Band am Lendplatz

 Im Wakuum angekommen, bereiteten sich gerade die aus zwei Personen bestehenden Atlanteans auf ihren Auftritt vor. Er war sehr... kreativ. Definitiv was ganz Besonderes. Etwas Besonderes mit einem unglaublich guten Schlagzeuger und einem Gitarristen, dessen Effektgeräte eine künstliche Intelligenz bildeten. Nach dem ersten Lied war man noch geschockt, doch beim zweiten bereits über die musikalische Leistung sehr erstaunt. Wenn man die Hände und Füße eines Drummers nicht mehr richtig wahrnehmen kann, da dieser in einem abartig schnellen Tempo extrem präzise spielt, stockt einem einfach der Atem.

Nach diesem kreativen Musikprojekt kam eine kurze Umbauphase um die Stage auf die zwei bevorstehenden Rockbands vorzubereiten. Den Anfang machten Red Label Nights, die ihren ersten Auftritt seit mehr als einem halben Jahr absolvierten. Mit im Gepäck hatten sie nicht nur dreckig bluesige Rocklieder, sondern auch einen neuen Drummer. Dieser passte sich ideal in die Band ein und hat die erste Bewährungsprobe grandios überstanden. Spätestens beim zweiten Song gab es im komplett vollen Club keinen einzigen mehr, der noch saß. Alles tanzte und bewegte sich. Wer dachte, dass der Vorabend schon unglaublich und nicht zu toppen war, der hatte sich geirrt. Sie hämmerten ihre Lieder runter. Geredet wurde nicht viel, worüber sich Sänger David auch selbst lustig machte und meinte, dass sie lieber spielen da er nichts zum Sagen habe. Das braucht er auch nicht, schließlich bekommt man 120% Rock'n'Roll.


Den Abschluss des Abends und der Aftershowparty des Lendwirbels machten Contra Verse, welche gerade erst von ihrer UK-Tournee zurückgekommen waren. Es war für sie nicht nur eine Tournee, sondern sie sammelten auch viel neue Erfahrung und brachten neue Lieder mit zu ihrem Auftritt. Hard Rock feinster Klasse. Mit ihrer kleinen Tribüne, welche leuchtete und Nebel ausstoßen konnte, sorgten sie für ein Lichtspiel sondergleichen. Mit Nummern wie "Clock keeps ticking" oder "Placed called home" brachten sie das Publikum mit eingängigen Ohrwürmern spätestens bei dem zweiten Refrain zum mitsingen. Auch körperlich verausgabten sich die Jungs mit einer unglaublichen Performanz. Zum Abschluss und Zugabe gab es noch Covers von Billy Idol und ZZ Top, von welchen es wirklich schwer ist, eine gute Coverversion zu machen aber selbst hier haben sich die Jungs von Contra Verse bewiesen.




Das Ende des Lendwirbels stand bevor. Es wurde in vielen Clubs und Lokalen noch bis in die Morgenstunden gefeiert und wer früh nach Hause ging, oder noch unterwegs war, konnte sich am Sonntag bis zum Nachmittag noch kleinere künstlerische Veranstaltungen ansehen.

 

Fazit: Der grazer Lendwirbel ist wohl eines der besten Festivals die es gibt. Man bekommt ein unglaublich großes Angebot an Bands, Künstlern und Aktionen und das ganze bei freiem Eintritt.

 

Wer ihn 2015 verpasste, sollte sich 2016 vormerken, es nicht verpassen und regelmäßig die Seite www.lendwirbel.at auf Updates prüfen.

 

Wer 2015 dabei war für dem ist klar: Lendwirbel, wir sehen uns wieder!

Sonntag, 22. Februar 2015

...wie warmer Apfelkuchen (Interview mit First Class College)

Emotional berührt, froh, erleichtert und doch sentimental. So zeigten sich die Jung von FIRST CLASS COLLEGE als sie mich zu meinem ersten und ihrem letzten Interview geladen haben.

Am 7. Februar 2015 beendete bei dem Benefiz für Ärzte ohne Grenzen im grazer Explosiv ihre gemeinsame musikalische Karriere. Noch einmal versammelten sich Fans und Freunde der Band, um ihnen die letzte Ehre zu erweisen und noch einmal mit ihnen abzufeiern.
Unterstützt wurden sie dabei unter anderem von großartigen Bands Assaia, So far frome home und Snap DazeD.

Die Band holte mich vor ihrem Auftritt Backstage um das Interview zu führen. Die ganze Atmosphäre wirkte etwas eigen - ausgelassen und locker, ein wenig traurig und ehrlich.

Als erstes musste einfach die Frage gestellt werden, wie man sich fühlt, jetzt wo alles dem Ende zu geht und auch, warum man sich so entschieden hatte. Sie erzählten über den Ärger und die Probleme, mit welchen man sich als österreichische Band umherschlagen muss.
Angefangen bei den Schwierigkeiten die man zu Beginn hatte, um überhaupt an Gigs und Veranstaltungen zu kommen. So erzählte unter anderem 'Jules Davis' davon, wie sie jede Minute ihrer freien Zeit damit verbrachten, sich endlos viele Locations und Veranstalter aus dem Internet zu suchen und anzuschreiben. Das traurige Ergebnis war, dass nur wenige zurückschreiben oder sich überhaupt die Mühe machten, eine Zu- oder Absage zu machen.

Sollten sie eine Zusage bekommen haben, stoßen sie manchmal kurze Zeit später schon auf neue Probleme und Ärgernisse: Condtions. Viele Veranstalter wollen nicht zahlen, dafür geben sie einem Essen und Trinken, wobei es keine Seltenheit war, das bei den Getränken nach dem zweiten Schluss war und sie ab dem dritten selbst dafür aufkommen mussten, was sie wiederum erst bei dem Bestellen der Getränke erfahren haben.

Mit viel Glück, gab es auch bei manchen Auftritten Gagen, wobei 200 Euro schon viel war. Wenn man nun allerdings in Anbetracht zieht, dass von den 200 Euro Gage noch Spritkosten und eventuell auch Geld für Übernachtung abgezogen wird, bleibt für jeden einzelnen der 4-köpfigen Band nicht mehr viel übrig. Zur Gegenüberstellung: Als Musiker investiert man schnell einmal tausende(!) Euro in Equipment, so summiert sich bei einer 4-köpfigen Band, in welcher jeder auch aktiv ein Instrument spielt, bereits um die 7.000-10.000 Euro.

Da erscheint es um so ärgerlicher, wenn man sich auch mit seriösen Veranstaltern wie einem landesweitem Rundfunkanbieter[*] um 200 Euro Gage streiten muss.

Trotz all der Ärgernisse, gab es auch verschiedenste schöne Erlebnisse. Ob es nun ein Auftritt vor wenigen Leute waren, mit denen sie anschließend die Nacht durchfeierten, oder vor mehreren tausend Leuten wie beim Holi-Festival in der Grazer Messehalle. Letzteres erwähnte sie immer wieder - unter anderem nannten sie es eine Geschichte, die sie noch ihren Enkelkindern erzählen werden.


Sie führten in ihrer Laufbahn als Musiker verschiedenste Interviews mit unterschiedlichen Magazinen und Plattformen. Manchmal fanden sie es ärgerlich, dass sie das fertige Interview nicht vor der Veröffentlichung lesen konnte. So erschien FIRST CLASS COLLEGE es vor kurzem auf der Titelseite eines Jugendmagazins. Die Schlagzeile zu ihrem Bild auf der Titelseite lautete "Groupies sind bei uns erlaubt", jedoch kann sich keiner der Band daran erinnern, diese Aussage je getätigt zu haben. Zum Teil fanden sie es amüsant, bis auf diejenigen der Band, die dadurch etwas Stress mit der Freundin bekommen haben.

Sie erzählten, dass es ein 'Running-Gag' der Band war, bei jedem Interview anzugeben, dass sie alle Single sind. In Wirklichkeit trifft das schon lange nicht mehr auf die ganze Band zu, da einige von ihnen mittlerweile glücklich vergeben sind.



Wir wechselten das Thema wieder zurück zur österreichischen Musikszene. Auf die vielen Fragen, was sie jungen Bands raten und wie es in Österreich mit Erfolg aussieht, ergab sich ganz schnell, dass es so etwas in Österreich nicht gibt. Wenn man nicht gerade einen Freund bei einem landesweiten Rundfunk[*] hat oder in der richtigen Booking Agency ist, hat man wohl so gut wie keine Chancen, irgendwie erfolgreich zu werden. Man muss es als Hobby sehen, welches den Leuten Spaß machen sollte, wenn man sich darauf versteift, dass man etwas in Österreich erreichen will, dann bekommt man schnell einen Faustschlag ins Gesicht.

Zudem sei es schwer, die Leute dazu zu bewegen, zu einem Konzert von Bands zu gehen, welche sie nicht kennen. Sie nannten unter anderem das Beispiel eines Gigs in Berlin, wo sie bis dato wirklich unbekannt waren. Das erstaunenswerte an diesem Auftritt war, dass, eben obwohl sie fast keiner kannte, Massen an Menschen in den Club strömten, einfach nur um eine Band live zu sehen. Vielleicht sogar eine Band, für die sie in Zukunft mehrere Euro Eintritt zahlen müssten. Schließlich haben auch Bands wie AC/CD, Blink 182, Green Day vor wenigen Leuten in kleinen Clubs angefangen. FIRST CLASS COLLEGE erzählten, dass die Musikszene im Ausland eine ganz andere als in Österreich ist. Leute gehen noch gerne auf Konzerte, was in Österreich immer weniger der Fall wird. Man wird auch nicht gefragt, ob sie nicht etwas von einer bekannteren Band spielen können, da jedem klar ist, dass es eine Band mit eigenen Liedern ist, und genau das ist es, was sie hören wollen.

Scherzhaft und doch mit einem ernsten Hintergrund würden sie jungen Bands raten, sich ein anderes Hobby zu suchen, da selten etwas so teuer wie Musik ist. Sollten sich junge Menschen doch dazu entscheiden, eine Band zu gründen, dann sollten sie es wirklich als das sehen, was es ist: Ein Hobby.
Ein Hobby wie Kampfsport, Motorradfahren oder Angeln.

Es gibt keine Konzerte mehr, bei welchen ein Manager oder Producer im Publikum steht und eine Band entdeckt. Sollte sich jemand bei einem vorstellen, dann meistens um sich am privaten Geld der Band zu bereichern. Der junge Leute einredet, dass sie unbedingt eine CD in seinem Studio aufnehmen müssen, damit sie sich verbreiten und promoten können.

FIRST CLASS COLLEGE sah in all den Jahren nie einen Sinn darin, eine CD aufzunehmen da sie stets der Meinung waren, dass sie die Kosten für die Aufnahmen und Produktionen mit dem Verkauf nicht wieder hereinholen können. Eine günstig aufgenommen EP ist oft vorteilhafter, als eine teuer produzierte CD. Zumal das finanzielle Risiko bei einer EP geringer ist.

Wichtig sei es, dass Bands viel Zeit in Promotionen stecken, fast mehr Zeit als in das Proben und Spielen selbst. Denn wenn man immer nur Konzerte spielt und es niemand weiß, wer soll dann zu den Auftritten kommen? Bandcontests sind eine gute Möglichkeit, Kontakte zu anderen Bands zu knüpfen um mit diesen Auftritte auszumachen, jedoch ist ein Bandcontest nicht unbedingt das Sprungbrett zur Karriere. Leider ist es bei den meisten Bandcontests in Wirklichkeit so, dass man sich seine Stimmen entweder kauft, oder jemand aus der Jury kennt, der will dass man weiterkommt. Sollte man letzteres nicht haben, so stehen die Chancen oft hoch, dass eine andere Band Freunde in der Jury hat und für einen selbst einen selbst die Chancen gering, im Wettbewerb weiteraufzusteigen.

Bandcontests sind eben ein gegenseitiges Beschnuppern der Bands und ein eruieren, welche einem sympathisch sind um mit diesen an weitere Gig zu kommen und so seine Fan Base und Reichweite zu steigern.
Zudem sollte man sich auch nicht davor scheuen, im Ausland aufzutreten, da es einen immer wieder ein gutes Gefühl gibt, einen solchen Auftritt zu spielen.

Was ihnen an der österreichischen Musikerszene störte war unter anderem, dass viele Leute falsch waren. Sie erzählten, dass sich Bands oft gegenseitig ein Messer in den Rücken rammen oder sich gegenseitig hochloben und hinterrücks nur das Schlechteste vom Schlechten übereinander behaupten.

Es gibt wirklich wenige Bands, mit denen sie sich in all den Jahren wirklich angefreundet haben und von denen sie mit Stolz behaupten, dass sie ihre Freunde und aufrichtige Leute sind. Unter anderem sind das die Bands, mit welchen sie an diesem Abend bei ihrem letzten Konzert aufgetreten sind, da unter anderem keiner auf eine Gage aus ist und sämtliche Einnahmen an die Organisation 'Ärzte ohne Grenzen' gegangen sind. An diesem Abend sind unter anderem die Bands SnapDazeD, Assaia und So far frome home gemeinsam mit ihren Freunden FIRST CLASS COLLEGE aufgetreten.

Dies sind alle Gründe, welche sie dazu bewegte die Entscheidung zu treffen. Man erwähnte, dass man gegen Ende schon gar nicht mehr gemeinsam proben wollte. Sie organisierten ihre Proben über eine WhatsApp Gruppe, und so geschah es, dass jeder sich dachte 'Ich schreibe nichts, vielleicht proben wir dann heute nicht' und sie somit mal über einem Monat keine Probe mehr hatten. Vermutlich verfällt irgendwann die Energie, wenn man Musik auf einem solchen Niveau betreibt. Obwohl se musikalisch top sind, muss man anmerken, dass leider keiner von ihnen auf der Bühne alles geben konnte was er kann, da es einfach nicht in ihre Musikrichtung und ihren Stil passt. Ihr Stil ist dieser amerikanische Pop-Punk, weswegen sie sich auch die Namen Jules Davis (Gitarre & Gesang), Alex McCoy (Gitarre), Adrian Evans (Bass) und Domi Parker (Drums) zulegten. Es war dieses amerikanisieren und dem treu bleiben des Stils, was sie unter anderem ausmachte.

Es wurde im Laufe des Interviews immer mehr getrunken und mit den anderen Bands gefeiert. So wurden leider auch meine Notizen immer unleserlicher, weswegen ich nicht mehr viel entziffern kann.







Kurz nach Ende des Interviews betraten FIRST CLASS COLLEGE noch ein letztes Mal die Bühne und verdammt, sie gaben wirklich alles. Es war ein letzter unglaublich guter und emotionaler Auftritt. Sie brachten die Leute zum feiern und pogen. Für das letzte Lied holten sie noch ein ein paar Leute aus dem Publikum und andere Bands auf die Bühne um sich noch einmal mit ihnen gemeinsam zu verabschieden und sich somit stellvertretend bei allen Bands, Musikern und Fans zu bedanken, die sie all die Jahre begleitet und ihnen so eine unvergessliche Zeit mit höhen und tiefen bereiten haben.




Es war eine schöne Zeit.







Ich empfing die Band noch ein letztes mal am Bühnenabgang und fragte alle, was sie jetzt angehen werden. Sie meinten, dass sie sich erstmal zurückziehen werden und jeder sein eigenes Ding machen will, unter anderem spielt auch der eine oder andere mit dem Gedanken, generell mit der Musik aufzuhören. Jedoch ist die Musik mittlerweile ein großer Teil von ihnen und es wird wohl nicht so leicht werden, von nun an nicht mehr aufzutreten.


'Adrian Evans' dazu: "Wer weiß, vielleicht treten wir irgendwann wieder als FIRST CLASS COLLEGE auf. Vorverkauf startet morgen!" Er merkte an, dass es definitiv Sarkasmus sei und dass dieses Kapitel mit dem heutigen Abend beendet wurde.




Auf die Frage, wie sie sich fühlen und wie sie ihre Karriere und Musik über all die Jahre zusammenfassen würden, kam von allen Seiten dieselbe Antwort: "Wir fühlen uns etwas traurig, dass das alles vorbei ist, es war eine schöne Zeit, dennoch sind wir froh darüber und es ist auch irgendwie eine Erleichterung. Anfang wird es seltsam am Sonntag frei zuhaben, da wir bisher jeden Sonntag probten. Es wird alles ein seltsames Gefühl mit sich tragen, doch es ist eine Entscheidung und ein Entschluss, welchen wir machen mussten und gemacht haben. Auf deine Frage, wie wir unsere Karriere und Musik im Laufe der Jahre zusammenfassen würden um es mit einem Gefühl zu beschreiben, dann gibt es nur eine Antwort: Unsere Musik ist wie warmer Apfelkuchen..."






[*] Aus rechtlichen Gründen will ich keine Namen nennen, aber denkt euch euren Teil.